Artikel der Nordseezeitung vom 06. April 2010 (Seite 23)

Nächster Halt im Osterhasen-Wald

VON GEORG AHRENS
BAD BEDERKESA. Egal ob Winter- oder Sommerzeit: die 70 Jahre alte Dampflok ist frühes Aufstehen gewöhnt. Denn wenn ihr jemand mitten in der Nacht ein mächtiges Feuer unter dem Hintern macht, dann kann sie nicht nur einfach noch mal kräftig gähnen und so tun, als sei sie noch im Winterschlaf. Besonders dann nicht, wenn sie von ganz vielen Kindern erwartet wird.

 

 Die hatten sich zusammen mit ihrem Begleitpersonal auf dem „Hauptbahnhof Bederkesa“ eingefunden um mit der Museumsbahn auf die Suche nach dem Osterhasen zu gehen, denn, „der soll ja hier irgendwo im Wald wohnen“, weiß Anneke (4).

Weil die Sonderfahrten zu Nikolaus und Ostern in der Vergangenheit ein großer Erfolg waren, hatte der Vorstand  der Museumsbahn Bremerhaven-Bederkesa e.V. beschlossen, sie in diesem Jahr zu wiederholen. Eine gute Idee, wie sich zeigen sollte, denn die Fahrten an diesem Ostersonntag sind ausverkauft. Inzwischen haben alle, nach einigem Hin und Her, ihre reservierten Plätze gefunden. Die Marschverpflegung wird ausgepackt, „denn wir sind schon um fünf Uhr  aufgestanden“, erzählt eine Familie aus Bremen, bei der „vor Aufregung das Frühstück ausgefallen ist“. Eine Bank weiter erklärt Marie (6) ihrem Bruder Jannes (4), was Ostern eigentlich bedeutet: „Das ist, weil heute Morgen ein Herr Jesus schon ganz früh aufgestanden ist“. „So wie wir“, meint Jannes, zeigt sich wenig beeindruckt und schaut wieder aus dem Fenster. Der Zug hält am Bahnhof in Langen.

Mächtige Dampfschwaden ziehen vorbei und Noah (2) bekommt vor Staunen den Mund nicht mehr zu. Er ist zusammen mit den Großeltern Sabine und Ulf sowie seinen Eltern Marie und Kai Bathmann in den Zug gestiegen weil er „Eisenbahnfan“ ist. „Obwohl wir in Nordholz, also eigentlich ganz in der Nähe, wohnen, sind wir noch nie mit der Museumsbahn gefahren“, gesteht „Opa“ Ulf Bathmann. Nun, mit dem Enkel, sei das aber ein besonders schönes Erlebnis.

Für die Rückfahrt sind in Bremerhaven mittlerweile so viele Gäste zugestiegen, „dass theoretisch nur noch ein Platz frei sein dürfte“, weiß Rolf Thien, der 2. Vorsitzende des Vereins, der hier heute in schmucker Uniform als Schaffner fungiert. Nach einer halben Stunde hält plötzlich der Zug, denn hier, mitten im Knüppelholz hat der Osterhase für die Kinder eine Überraschung deponiert. Weil er selber wohl mächtig im Stress ist, hat er zwei Kaninchen geschickt, die dann auch heftig von allen Seiten gestreichelt werden. Außerdem hat er für alle kleinen Fahrgäste eine Überraschungstüte bereit. „Der Osterhase ist ein netter Mensch“, meinte dann auch zufrieden der fünfjährige Frederik und schiebt sich ein Gummibärchen in den Mund.

 

 

Vorstehender Artikel mit freundlicher Genehmigung der Nordseezeitung veröffentlicht.